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Elbtunnel - Mitte
  Einhausung oder das Stauen bekommt einen neuen Namen  
 

10 Jahre Stau

Der seit den 90er Jahren umstrittene Bau eines Deckels über die A7 nördlich des Elbtunnels kommt.

HAMBURG21

Hamburg21 Damit es hier kein zweites STUTTGART21 gibt, sollte sich jeder Pendler und Anwohner rechtzeitig informieren, denn wenn die Bagger erst rollen, dann gibt es nichts mehr zu retten. Weitere Infos zum Bau sind auf Hamburger Deckel veröffentlicht. Leider beschreibt diese Webseite die Nachteile dieses Millionenprojekts nicht, wieso sollte sie auch?

Konkret geht es darum, die Fahrbahnen in Höhe Stellingen und Bahrenfeld von sechs auf acht und im Bereich Schnelsen von vier auf sechs Fahrspuren zu erweitern. Zur Lärmreduzierung wird Flüsterasphalt verwendet, Lärmschutzwände errichtet und mehrere vollständige Einhausungen gebaut.

Einhausungen

In Höhe der Ausfahrt Stellingen wird eine sogenannte "Einhausung" errichtet. Was sich hier hinter dem Begriff "Einhausung" tarnt ist nichts anderes als ein weiterer Tunnel. Unter Einhausung werden alle baulichen Vorrichtungen bezeichnet, die eine Lärmquelle umgeben, um vor allem Lärm zu verringern. Es werden hierfür z.B. bestimmte Straßenteilstücke mit lärmdämmenden Konstruktionen umbaut. Dies bedeutet auch nach oben hin eine Abdeckelung, weswegen dieses Bauprojekt auch als "Hamburger Deckel" bezeichnet wird. Die Länge des Tunnels wird 893 Meter betragen.

In offener Bauweise werden zunächst die Seitenteile errichtet und dann wird der Deckel aufgesetzt. Je Quadratmeter soll er bis zu 4,5 Tonnen tragen. Der Senat, Bürgerschaft und die Handelskammer planen hierauf Häuser und Grünanlagen zu errichten. In den Planungsunterlagen sieht alles hübsch grün aus.

Bild-Hamburg stellt Entwürfe unter Bild Online zur Ansicht bereit.

deckelQuelle: Behörde für Stadtentwicklung

Zwei weitere Deckel werden von Bahrenfeld bis Volkspark (2093 Meter Länge) und in Höhe Schnelsen (560 Meter Länge) errichtet. Damit werden weitere 3,4 km der A7 zum Nadelöhr.

Grünanlagen

Eine breite Front von Schrebergartenbesitzern macht sich breit, die ihre Grundstücke nicht abtreten möchte oder viel mehr Geld verlangt als der Boden wert ist. Mehr als 2.600 Unterschriften von Kleingärtnern sind gesammelt worden, um die ewige Dunkelheit über der A7 zu verhindern. Dabei geht es den Besitzern eher um den Erhalt ihrer alten Grünanlagen, als um die Umsiedlung auf den Deckel, der mit 1,20 Meter Bodentiefe (Größe eines 7 Jährigen Kindes) nicht sonderlich tief erscheint. Das Thema ist äußerst politisch, wie im Hamburger Abendblatt nachzulesen ist.

Auswirkungen

Die Planung sieht vor, während der Bauphase je Fahrtrichtung drei Spuren frei zu halten. Hierbei müssen jedoch die Fahrstreifen verengt werden und zeitweilig können nur noch zwei Spuren je Richtung frei sein.
Klaus Franke vom Amt für Verkehr in der Stadtentwicklungsbehörde (BSU) meint jedoch: " ...jederzeit sollen drei Fahrspuren je Richtung frei gehalten werden." Dies bezweifelt der ADAC-Sprecher Matthias Schmitting: "Die Staus werden schlimmer, als alles, was wir bislang schon hatten." Jeder weiß, dass auf stark frequentierten Autobahnen Verengungen zu Staus führen. Sei es durch Liegenbleiber oder durch die Linksfahrer, denen die Enge neben den rechts fahrenden LKWs Angst bereitet und sie links hinter dem LKW bleiben, anstatt zu überholen. Wir kennen die täglichen Staus und Vollsperrungen bereits von der Mega-Baustelle auf der A1 zwischen Buchholz und Bremen.
Während der Baumaßnahmen werden Teile der stets überlasteten A7 über mehrere Jahre gesperrt, denn eine Abdeckelung ohne Sicherheitszonen wird es nicht geben. Es wird vor dem massiven Verkehrsinfarkt gewarnt, der Einfluss auf den gesamten Hamburger Raum haben wird. Die Nebenstraßen der A7 durch Othmarschen, Bahrenfeld, Lurup, Stellingen und Eidelstedt und die Innenstadt gelten als Ausweichstrecken, die jedoch nicht dafür gebaut sind, täglich 120.000 Fahrzeuge mehr (tagsüber ca. 120 Fahrzeuge je Minute) durchzuschleusen.
ELBTUNNELBREMSE steht dem Deckel äußerst kritisch gegenüber. Sinnvoller erscheint eine weitere Elbquerung nahe Hamburg (und nicht irgendwo im nirgendwo bei Drochtersen) mit den geplanten Schallschutzmaßnahmen. Damit würde der jetzige Elbtunnel und die A7 entlastet und somit leiser werden.

A20

Ab Anfang 2013 kann der mehrjährige Ausnahmezustand beginnen. Bereits seit Januar 2009 ist schon jeweils eine Röhre für das Umrüstprogramm zur Erhöhung der Tunnelsicherheit bis mindestens Mitte 2012 gesperrt. Wie inzwischen bekannt ist, bleiben Hamburger Großbauprojekte jedoch selten im Zeit- und Kostenbudget. So ist auch zu erwarten, dass heute 10-jährige Kinder nicht vor Führerscheinerwerb staufrei vom Nordteil der Hansestadt in den Süden gelangen. So ist nicht vor 2020 mit einer Fertigstellung zu rechnen, auch wenn die offizielle Planung dieses Ziel ehrgeiziger sieht.
Bereits jetzt werden Fehlplanungen und Kostensteigerungen bekannt. Damit die Höhenkontrolle bei 4,80 Meter nicht so häufig auslöst, wird neu mit 5,10 Meter Durchfahrtshöhe geplant. Hinzu kommt, dass der Bund als Haupt-Finanzierer des Spektakels nun hübsch-dekorative Deckel-Einfahrtsportale ähnliche wie beim Elbtunnel wünscht. Bislang wurden die Kosten lediglich geschätzt und schön gebetet; nun macht man sich an die konkrete Berechnung und erwacht langsam aus einem schönen Traum, um dann in den Albtraum zu verfallen.
In einer Drucksache der Verkehrsbehörde steht: "Alle Deckel-Abschnitte unterliegen einer Kostensteigerung gegenüber der ersten Schätzung." Es gibt erste Anzeichen, dass die Kosten über 40% höher ausfallen können als zunächst geplant. Damit steigen die geplanten Kosten inkl. der Verbreiterung auf über 1.000.000.000 Euro. Natürlich wird das Projekt durchgeführt werden und natürlich wird es noch teurer, noch länger und noch mehr Verkehrs-Chaos bringen, als geplant. Das zeigt uns die Erfahrung.

Apokalypse Now

Es gibt also keine Hoffnung für die eh schon gestressten Pendler! Wenn wir uns schon der Dummheit der Per-Pedes-Obrigen ("Wir sind das Fuss-Volk") aussetzen müssen, dann sollten wir wenigstens halbwegs intelligent mit genug Abstand fahren.

EinhausungDie Einhausung wird ein Großprojekt von in Europa nie dargewesenen Ausmaßen: Fünf Spuren je Richtung plus Standstreifen werden auf über 22 Meter Breite mit einem Betondeckel versehen. Dazwischen gibt es keine Trennwände, wie etwa in den Röhren. Getragen wird der 140 cm dicke Betondeckel durch 120 cm dicke Betonwände, die bis zu 13 Meter tief in die Erde ragen. Für die Tunnelsicherheit werden Ampeln, Belüftung, Überwachungskameras, Beleuchtung ebenso wie man es aus dem Elbtunnel her kennt installiert. Lediglich an den Anschlussstellen fällt Tageslicht in die drei neuen Mega-Tunnel. Die Planer und Politiker werden sich in dem Glanze dieser Anlage rühmen wollen, während wir Autofahrer uns nur in der Stossstange des Vordermanns spiegeln.

Mit hübsch-grünen Videos soll dem Bürger der Millionenschwachsinn schmackhaft gemacht werden. Der simulierte Hubschrauberflug zwischen Auffahrt Othmarschen und Ausfahrt Volkspark über die überdeckelte A7 sagt deutlich aus, wo unsere Politiker sich befinden: Nicht auf der Straße!

Und wem das alles noch nicht apokaliptisch genug klingt sei noch nachgetragen, dass der zum Einsatz kommende offenporige Flüsterasphalt bereits nach 9 Jahren erneuert werden muss. Ach ja, und die 400 Meter lange Brücke über die Gleisanlagen von Eidelstedt wird Dank des Bundes auch erneuert.

Wenn das dann alles fertig ist und weitere 3km Dunkelheit über uns sind, wie schnell wird man wohl unterm Deckel fahren dürfen? 80 km/h oder gibt es irgendwo in Deutschland einen Tunnel, in dem man 100 fahren darf?

Nachtrag. Um das südliche Deckel-Teilstück zwischen Elbtunnel und S-Bahnbrücke Othmarschen ist eine neue Diskussion entbrannt. Es soll aus "Kostengründen" nicht gebaut werden. Diese 225 Meter Tunnel würden erhebliche Teile des Budgets verschlingen. Für den Bau müsste die Autobahnmeisterei umziehen, was etliche Millionen verschlingen würde. Im Gegenzug erhoffen sich Immobilienspekulanten neue attraktive Flächen (ja, im Ernst!) für bis zu 380 Wohnungen. Bis die Entscheidung gefällt ist, müssen die von der SPD verprellten Bürger jedoch auf ein paar schicke Schallschutzwände hoffen, nicht jedoch die Pendler, denn die Stadt-CDU will hier den kompletten Deckel.

Elbtunnel
Staukarte
Ein Service der Stadt Hamburg
Überschreitung: km/h
(Beisp.: 75 bei 50 = 25 km/h)
Tatort: geschlossener Ortschaften
Fahrzeugart:
Probezeit:

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